
Ich bin Fotografin in zweiter Generation!
Ich habe das Bild vor der Sprache gelernt.
Mein Vater war Werksfotograf, und bereits als Kind durfte ich ihn oft zu Terminen begleiten. Mal führte ihn seine Arbeit in ein französisches Kloster, mal an die entstehende Brücke von Schengen. Ich sah zu, wie er hinter der Kamera verschwand, wie präzise seine Hände wurden, und später, in der Dunkelkammer, wie aus dem Nichts ein Bild aufstieg.
Für dieses Aufsteigen gibt es kein besseres Wort als das, das ich damals dafür hatte: Es ist Magie.
Und ich wusste, ich möchte genau das auch machen, wenn ich groß bin!
Drei Jahre Ausbildung. Drei Jahre Studium. Zwölf Jahre Stahl.
Ich bin gelernte Industriefotografin. Mehr als ein Jahrzehnt lang habe ich in Werkshallen gearbeitet, an Orten, an denen das Licht nie schmeichelt und nie an der richtigen Stelle steht. Wer dort ein gutes Bild will, muss es bauen.
Das klingt weit weg von einer Hochzeit. Es ist die beste Vorbereitung, die ich mir hätte wünschen können. Ich habe gelernt, Licht zu lesen, bevor ich es sehe. Ich habe gelernt, unter Zeitdruck ruhig zu bleiben. Und ich habe gelernt, dass Technik nur dann etwas wert ist, wenn man sie so beherrscht, dass man nicht mehr über sie nachdenken muss.
An eurem Hochzeitstag denke ich nicht über Technik nach. Ich denke über euch nach.
London.
Was mir fehlte, war der Mensch.
Ich habe ein Jahr als Assistentin bei dem Londoner Porträtfotografen Charlie Hopkinson gearbeitet. Er ist bis heute mein Mentor. Bei ihm habe ich gesehen, wie ein Porträt entsteht: nicht durch Anweisung, sondern durch Aufmerksamkeit. Wie ein Mensch sich öffnet, wenn man ihm Zeit lässt. Und wie viel von dieser Öffnung im fertigen Bild ankommt, wenn man im richtigen Moment nicht spricht.
Seitdem fotografiere ich Menschen. Alles, was ich in den zwanzig Jahren davor über Licht gelernt habe, arbeitet jetzt für sie.
Wie ich arbeite.
Ich gestalte. Ich stelle nicht.
Das heißt: Ich wähle den Ort, ich wähle das Licht, ich wähle den Bildausschnitt und entscheide, was nicht ins Bild gehört. Was ich nicht wähle, seid ihr.
Ich arbeite leise. Die meisten Gäste bemerken mich nach einer Stunde nicht mehr, und das ist die Voraussetzung dafür, dass die Bilder entstehen, für die ihr mich bucht.
Einen Teil eures Tages fotografiere ich auf Wunsch analog, auf Mittelformatfilm. Es kostet Zeit, es kostet Film, und man sieht das Ergebnis erst Wochen später. Genau deshalb tue ich es. Analog zwingt zur Entscheidung, und Entscheidungen sieht man einem Bild an.
Wenn ihr mögt, lernen wir uns kennen.
Das bin ich auch.
Familie.
Ich bin Mutter von zwei Kindern, und ein großer Teil meines Lebens ist entsprechend bunt, laut und herrlich chaotisch. Als Mutter bin ich von Haus aus krisenerprobt, lösungsorientiert und effektiv.
Yoga II Meditation
Den Ausgleich finde ich in der Körperarbeit: ich bin ausgebildete Yoga- und Meditationslehrerin. Bereits seit 17 Jahren ist Sonnengruß und Sitali fester Teil meiner Morgenroutine.
Bücher II Musik
Mein liebster Luxus sind Bücher, am liebsten 700 Seiten stark. Einmal angefangen, verliere ich mich zwischen den Worten. Ich liebe Oscar Wilde, er ankert meine Gedanken und gießt sie in traumschöne Sätze. Und wer mich endlose Monologe sprechen hören will, sollte mich einmal nach meinem Lieblingsbuch fragen.
Ich bin ein Kind kleiner Konzerte, im Saarland aufgewachsen, waren Punkkonzerte im nahegelegenen Jugendzentrum meine Tür in die große weite Welt. Bis heute bin ich neugierig auf neue Musik, neue Interpretationen und bin regelmäßig auf Konzerten zu finden.
Reisen.
Und dann ist da Island. Dreimal sind wir mit unserem Campingbus wochenlang durch dieses raue, stille Land gefahren. Die Weite, das Licht, die Farben, die es dort nur zwischen zwei Wetterlagen gibt. Wer wissen will, woher meine Bildsprache kommt, muss dorthin schauen.
